Vielleicht ist Ihnen beim Stöbern auf meiner Seite aufgefallen, dass ich das Wort „Geist“ gerne mit „h“ schreibe: „Gheist“. Ich mache das hauptsächlich, um das, was ich als „Gheist“ definiere, von dem abzugrenzen, was allgemein unter „Geist“ verstanden wird – und von jedem individuell und anders. Tatsächlich gibt es bislang keine einheitliche Definition für den Geist und auch keinen wissenschaftlichen Konsens diesbezüglich. Man weigert sich, den Geist zu definieren, weil eine Definition dessen, was der Geist – vielleicht – ist, unter Umständen zu einer Beschränkung des Verständnisses für das führen könnte, was der Geist ist.
Bislang ist der US-amerikanische Psychiater Daniel J. Siegel der einzige, der den Versuch einer Definition des Geistes unternommen hat. Daraus ist sein Buch „Mind“ hervorgegangen. Außerdem haben seine Überlegungen sein Konzept der Interpersonellen Neurobiologie (IPNB) beeinflusst. Im Rahmen meiner IPNB-Zertifizierung habe auch ich mich tiefer mit der Frage beschäftigt, was der Geist sein mag. Und im Zuge dessen bin ich dazu übergegangen, das Wort „Geist“ mit „h“ zu schreiben – wie im englischen „Ghost“.
Der Gheist ist „jemand, der heimlich für einen anderen Arbeit verrichtet“
Das Wort „Ghost“ bzw. „Geist“ gibt es etymologisch betrachtet schon sehr lange. Es bezeichnete einst schlicht ein „übernatürliches Wesen“. Irgendwann im 18. Jahrhundert erhielt „Ghost“ im Englischen die zusätzliche Bedeutung von „jemand, der für einen anderen heimlich Arbeit verrichtet“ (z.B. im „Ghostwriter“). In Bezug auf unser (Nerven)System liegt hier eine Verbindung zu unserem autonomen (Nerven) System nahe – auch dieses scheint in gewisser Weise heimlich Arbeit für uns zu verrichten, indem es – unter Umgehung der Denk-Regionen in unserem Gehirn – den Fluss unserer Neurotransmitter steuert, die Hormonausschüttung, unser Wachstum und unseren Alterungsprozess, unsere Stressreaktionen, Schlaf, Verdauung und Befindlichkeiten, Lernen und Gedächtnis, Einfälle, Flow und Wahrnehmung. Die Liste ist nicht abschließend.
Was innerhalb unseres (Nerven)Systems wie funktioniert, ist noch lange nicht aufgeklärt. Die Unterteilung unseres Nervensystems etwa in ein autonomes und ein somatisches, ein peripheres und ein zentrales, ein Rückenmark und ein Gehirn mit Arealen, die von einander gar nicht so abgrenzbar sind, wie man vermuten könnte, stellt nur ein Denkmodell dar, das der Veranschaulichung dienen und das Unvorstellbare beschreibbar machen soll. Dan Siegel sagt gern, dass der Geist nur vielleicht im Gehirn entstehe, wie die Lehrmeinung besagt – vielleicht entstehe oder existiere der Geist aber auch als etwas ganz anderes – oder wo anders. Man weiß es ja nicht.
Unser Gheist gibt uns Gesicht
In Sachen Gehirn, System und Geist behandelt man eine Theorie wie die Wahrheit – aber immer mit der Bewusstheit im Hinterkopf, dass sich morgen etwas offenbaren könnte, das alles bisher Angenommene über den Haufen schmeißt. Bewusste Wissenschaftler sind sich dessen sehr bewusst – und Beispiel für Menschen mit einem wahrhaft offenen Geist.
Mich selbst hat die Sache mit dem offenen Geist dazu ermutigt, eine gewissermaßen totale Vereinfachung zu wagen und mit „Gheist“ auch gleich noch ein neues Wort zu kreieren. Unter dem Begriff „Gheist“ fasse ich alles zusammen, was uns „systemseitig“ unser Gesicht verleiht, unsere Gesamt-Erscheinungsform in dieser Welt einschließlich Aussehen, Charakter und Persönlichkeit, Empfinden, Verhalten, „Instinkt“ und Intelligenz – hervorgerufen durch das, was uns – vielleicht – (nerven)systemtechnisch geschieht, ohne dass wir es uns aussuchen oder direkt beeinflussen können und auch unabhängig davon, ob es uns bewusst oder im Unbewussten verborgen ist. „Gheist“ bzw. „autonomes System“ ist dabei nicht gleichbedeutend mit „autonomes Nervensystem“. „Gheist“ in meiner Definition geht darüber hinaus.